In der Ethik wird versucht, auf Fragen wie "Ist es manchmal moralisch geboten zu lügen?", "Ist Sterbehilfe unmoralisch?" und "Ist es moralisch geboten, den Nutzen zu maximieren?" eine überzeugende Antwort zu finden. In der Metaethik hingegen geht es, vereinfacht ausgedrückt, um Fragen über ethische Fragestellungen wie die soeben genannten.

Allgemein durchgesetzt hat sich die Auffassung, dass die Metaethik jene philosophische Disziplin ist, die sich mit erkenntnistheoretischen, semantischen, psychologischen und metaphysischen Fragen beschäftigt, sofern sie die Sphäre der Moral oder, allgemeiner, der Normativität betreffen. Klassische metaethische Fragen sind bspw. die folgenden:

  • Ist Moral (kultur-)relativ? Hängt es vom jeweiligen Standpunkt ab, ob eine Handlung moralisch richtig oder falsch ist, oder ist Moral objektiv?
  • Sind moralische Sätze überhaupt fähig, wahr bzw. falsch zu sein? Handelt es sich bei Aussagen wie "Man sollte den Armen helfen" nicht vielmehr um eine Art Ausdruck der eigenen Präferenzen? Wie sieht eine überzeugende Semantik moralischer Urteile und Aussagen aus?
  • Gibt es moralische Fakten? Falls ja, wo kommen diese her und wie können wir überhaupt etwas über sie erfahren? Hängen diese Fakten von Fakten über unsere Psychologie ab?

Diesen und weiteren Fragen werden wir uns in im Seminar ebenso wie möglichen Antworten nähern. Wir werden die wichtigsten metaethischen Positionen und Theorien kennen lernen und uns einen Überblick darüber verschaffen, was für bzw. gegen die jeweiligen Positionen spricht.

Die Lektüre wird zu Beginn des Semesters bekannt gegeben. Mindestens einige der für das Seminar relevanten Texte liegen nur in englischer Sprache vor.

Zeit: Dienstag, 14-16 Uhr
Ort: Geb. C5 2, Raum 2.02

Wörter, komplexe Phrasen und Sätze unterscheiden sich von anderen physikalischen Gegenständen wie Stühlen, Flugzeugen, Mäusen und Atomen durch eine ganz besondere Eigenschaft: Sie haben Bedeutung. Sie sind nicht nur einfach da, nehmen einen bestimmten Raum ein, besitzen eine bestimmte Form und bestehen aus einem bestimmten Material; sie bedeuten etwas für denjenigen, der sie hervorbringt oder wahrnimmt.

Was aber ist Bedeutung, und worin besteht die Bedeutung von Eigennamen, Prädikaten, Sätzen und anderen wichtigen Kategorien sprachlicher Ausdrücke? Wodurch erhalten diese Ausdrücke ihre Bedeutung, und wie verhält sich die Bedeutung eines Ausdrucks zum dem, was ein Sprecher mit seiner Hilfe zu verstehen geben kann? Wie verhalten sich allgemein Bedeutung und Gebrauch zueinander?

Im Rahmen der modernen Sprachphilosophie und Linguistik sind eine Reihe von Bedeutungstheorien entwickelt worden, um Fragen dieser Art beantworten zu können. Die wichtigsten und einflussreichsten unter ihnen sollen im Seminar studiert und kritisch diskutiert werden. Als Textgrundlage wird dabei das Lehrbuch Philosophy of Language: A Contemporary Introduction von William Lycan dienen (erschienen bei Routledge, New York 2008), wobei an verschiedenen Stellen auch auf Auszüge aus der Primärliteratur zurückgegriffen werden soll.

Zeit: Dienstag 16-18 Uhr
Ort:  Geb. C5 2, Raum 1.14

Was ist Pornographie? Gibt es ein Recht auf Pornographie, oder sollte Pornographie verboten werden? Kann eine entsprechende Forderung nach einem Pornographieverbot bzw. kann auf der Gegenseite das Reklamieren des Rechts auf Pornographie argumentativ gestützt werden? Falls ja, mit rechtlichen oder mit moralischen Argumenten? Wie genau sehen diese Argumente aus und wie schlagkräftig sind sie?

Mit diesen und ähnlichen Fragen werden wir uns in dem Seminar befassen. Semesterliteratur wird zu Beginn des Seminars bekannt gegeben.

Zeit: Montag, 12-14 Uhr
Ort: Geb. C5 2, Raum 2.02

Auch wenn der britische Philosoph Alfred N. Whitehead mit seinem Bonmot, die europäische Philosophiegeschichte lasse sich als eine Abfolge von Fußnoten zu Platon begreifen, gewiss eine Übertreibung begangen hat, darf man sich wohl guten Gewissens der allgemeinen Einschätzung Platons als eines Denkers anschließen, der die Entwicklung der Philosophie auf weitreichende und nachhaltige Weise geprägt hat. Als Kernstück der platonischen Philosophie gilt allgemein die Ideenlehre, und das, obwohl Platon sie nirgends zu einer systematischen Theorie ausgearbeitet hat und zumindest die späten Dialoge Zweifel daran aufkommen lassen, ob er sie tatsächlich als eine befriedigende Antwort auf die grundlegenden metaphysischen und erkenntnistheoretischen Probleme verstanden wissen wollte. Im Seminar werden wir versuchen, uns anhand der einschlägigen Passagen aus den wichtigsten Dialogen Platons ein klares Verständnis seiner Ideenlehre zu erarbeiten. Dabei werden die beiden mittleren Dialoge Phaidon und Politeia, in denen Platon seine Vorstellungen von den Ideen in ihren wesentlichen Zügen präsentiert hat, im Zentrum stehen. Zuvor sollen jedoch einige Auszüge aus früheren Dialogen gelesen werden, um zunächst die Probleme nachzuvollziehen, die Platon zur Entwicklung seiner Ideenlehre bewogen haben. Diese Lehre hat er dann in seinen späten Dialogen einer scharfen und teilweise überzeugenden Kritik unterzogen. Anhand des Dialogs Parmenides sollen im letzten Teil des Seminars seine wichtigsten Einwände diskutiert werden.

Zeit: Donnerstag, 10–12 Uhr
Ort: Geb. C5 2, Raum 2.02

J.L. Austin forschte Mitte des 20. Jahrhunderts in Oxford. Heute ist er vor allem in der Sprachphilosophie für seine Sprechakttheorie bekannt, während seine Überlegungen zur Erkenntnistheorie – obwohl ebenfalls originell und interessant – weniger rezipiert werden. Mit letzteren werden wir uns in diesem Seminar auseinandersetzen.

Im Zentrum des Seminars werden Austins posthum veröffentliches Buch Sense and Sensibilia sowie sein Aufsatz „Other Minds“ stehen. Hier äußert er sich einerseits kritisch zur Sinnesdatentheorie; andererseits vertritt er eine Position, die man dem „Oxford realism“ zuordnen kann und die ihn mit Philosophen wie John Cook Wilson, H.A. Prichard und aktuell M. G. F. Martin, John McDowell, Charles Travis oder Timothy Williamson verbindet. Charakteristisch für diese Position ist, dass sie Wissen als mentalen Zustand sui generis auffasst, der (entgegen der üblichen Gettier-ologie!) nicht auf Überzeugung plus externe Umstände reduziert werden kann, und dass sie Wahrnehmung als unmittelbaren Kontakt mit der Außenwelt versteht (entgegen dem Mainstream in der Philosophie des Geistes!).
Wir werden im Seminar Austins Auseinandersetzung mit Sinnesdatentheoretikern wie A.J. Ayer kritisch begutachten. Außerdem werden wir seine eigene Position und deren Relevanz für die aktuelle Philosophie der Wahrnehmung und Erkenntnistheorie, insbesondere für Williamsons „knowledge first“-Programm und den Disjunktivismus, untersuchen.

Literatur
G.E.M. Anscombe (1965/1981), "The Intentionality of Sensation: A Grammatical Feature," in dies. (Hg.), The Collected Philosophical Papers of G. E. M. Anscombe, Vol. 2: Metaphysics and the Philospophy of Mind, Minneapolis: University of Minnesota Press, 3-20.
J.L. Austin (1946), „Other Minds,“
Proceedings of the Aristotelian Society, Supplementary Volume 20: 148–187. Reprinted in Austin 1979.
J.L. Austin (1962),
Sense and Sensibilia, G. J. Warnock (Hg.), Oxford: Oxford University Press.
J.L. Austin (1979),
Philosophical Papers, G.J. Warnock und J.O. Urmson (Hg.), Oxford: Oxford University Press.
A.J. Ayer (1940),
The Foundations of Empirical Knowledge, London: Macmillan.
A.J. Ayer (1967), „Has Austin Refuted the Sense-Datum Theory?“
Synthese 17(2): 117–140.
Alex Byrne und Heather Logue (2008), „Either/Or,“ in Adrian Haddock und Fiona Macpherson (Hg.),
Disjunctivism: Perception, Action, Knowledge, 57-93.
John McDowell (1982), „Criteria, Defeasibility and Knowledge,“
Proceedings of the British Academy, 68: 455–479.
H.H. Price (1932),
Perception, London: Methuen.
Mike Thau (2004), „What is Disjunctivism?“
Philosophical Studies 120: 193–253.
Charles Travis (2005), „A Sense of Occasion,“
Philosophical Quarterly 55(219): 286–314.
Timothy Williamson (2000),
Knowledge and Its Limits, Oxford: Oxford University Press.

Prüfungsleistungen: Je nach Wunsch der TeilnehmerInnen, entweder Hausarbeit oder Referat mit Ausarbeitung.
Studienleistungen: Regelmäßige Teilnahme, gründliches Lesen der Texte, kleinere Hausaufgaben.

Zeit: Dienstag, 10–12 Uhr
Ort: Geb. C5 2, Raum 2.02

Thema dieses Seminars ist die Handlungstheorie bzw . Philosophie des Handelns. Diese tritt erst seit Neuerem als eigenständiger, Forschungsgebiete wie Philosophie des Geistes, Ethik oder Metaethik überschreitender Bereich der Philosophie in Erscheinung.

Thematisch werden wir uns an der brandneuen Anthologie Philosophy of Action von Jonathan Dancy und Constantine Sandis orientieren. Wir starten mit der Frage, was eine Handlung ist. Des Weiteren beschäftigen wir uns mit der Relation zwischen Körperbewegungen und Willensakten, welche anscheinend beide in Handlungen involviert sind. Außerdem wenden wir uns Absichten und absichtlichen Handlungen zu: Was ist das überhaupt, und wie hängt beides zusammen? Schließlich werden wir untersuchen, was es heißt, aus einem Grund zu handeln, und wie Erklärungen von Handlungen zu charakterisieren sind.

Literatur:
Lilian O’Brian (2014), Philosophy of Action, Palgrave Macmillan.
Jonathan Dancy and Constantine Sandis (Hg.) (2015), Philosophy of Action: An Anthology, Wiley Blackwell.

Prüfungsleistungen:
Je nach Wunsch der Teilnehmer*innen, entweder Hausarbeit oder Referat mit Ausarbeitung

Studienleistungen:
Regelmäßige Teilnahme, gründliches Lesen der Texte, kleinere Hausaufgaben.

Zeit: Freitag, 12-14 Uhr
Ort: Geb. C5 2, Raum 2.02

Auch wenn wir uns im Alltag mehr oder weniger mühelos durch Raum und Zeit bewegen, werfen sie doch eine Vielzahl philosophischer Probleme auf, insbesondere in Bezug auf die in Raum und Zeit stattfindende Bewegung: Bereits Parmenides und Zeno bezweifeln, dass Bewegung und Veränderung mehr als nur ein Schein sind, trotz ihrer alltäglichen Gegenwart; eines von Zenos Argumenten beruft sich dabei darauf, dass es zum Zurücklegen einer Strecke notwendig ist, zuerst die Hälfte dieser Strecke zu überwinden, vom Rest wieder die Hälfte usf. – sodass man nie ankäme. Aber auch wenn man weniger skeptisch bezüglich Bewegung ist, stellen sich vielgestaltige Fragen: Wie sollte man den Raum auffassen – als „Behälter“ materieller Gegenstände, dem doch eine unabhängige Existenz zukommt, oder ist der Raum vielmehr bloß der „Zwischenraum“ zwischen diesen Gegenständen, mithin durch sie und ihre Lagebeziehungen konstituiert? Analog kann man sich in Bezug auf die Zeit fragen, ob sie „vergeht“, auch wenn sich nichts verändert? Zudem scheint die Zeit eine ausgezeichnete Richtung (von der Vergangenheit zur Zukunft) zu besitzen, für den Raum ist dies nicht mehr naheliegend; wie kommt diese Richtung zustande, und wie hängt dies mit der Frage nach Ursache und Wirkung zusammen? (Und natürlich könnte man viele weitere Fragen ergänzen, die sich mit unserem Raum- und Zeitempfinden befassen; man kann sogar der Auffassung sein, dass Fragen bezüglich Raum und Zeit in nahezu allen anderen philosophischen Themenfeldern relevant sind.)

Diese jahrtausendealte philosophische Diskussion kann heute nicht mehr ohne Bezug zu den Naturwissenschaften, vor allem zur Physik, geführt werden, denn bereits Galilei und Newton legen mathematisch präzisierte Theorien der Bewegung vor, die Implikationen für das Verständnis von Raum und Zeit haben; durch Einsteins Relativitätstheorien wird dieses Verständnis aber nochmal gehörig umgekrempelt und etwa von Einstein selbst philosophisch reflektiert.
Es ist also unerlässlich, dass wir uns um einen gewissen (sicherlich rudimentären) Einblick in die (mathematische) Physik von Raum, Zeit und Bewegung bemühen werden – das ist aber sehr lohnend: So sind diese Theorien nicht nur sehr schön und ansprechend, sie werden von den Physikern selbst teilweise durch bestechende Gedankenexperimente eingeführt und motiviert (und liefern somit Lehrstücke des Argumentierens); und sie können wahre Augenöffner sein, die zu einer ganz neuen Perspektive führen.

Einen umfassende Einführung in die Thematik liefert etwa das folgende Buch: Martin Carrier (2009): Raum-Zeit, Berlin: de Gruyter.

Die im Seminar behandelte Literatur und das genaue Programm werden in der ersten Sitzung besprochen und ausgehandelt, denn in diesem sehr umfangreichen Gebiet müssen Schwerpunkte gesetzt und dafür anderes weggelassen werden.

Zeit: Mittwoch, 14–16 Uhr
Ort: Geb. C5 2, Raum 2.02

This course will begin in the present, work backward s to consider classical theories and their significant differences, and then return to the present to consider an influential recent theory and its critics, and the practical significance of these views.

It will begin by examining the Universal Declaration of Human Rights (1948), and comparing it to 18th century declarations, most notably the French Declaration of the Rights of Man and Citizen (1789) and the subsequent Declaration of the Rights of Woman and the Female Citizen (1791).

To explain the differences between these documents, we will examine the traditional rights theory of John Locke and its medieval origins, and compare it with the rights theories of Hobbes and Spinoza.

We will then return to the present to consider the rights theory of the Oxford philosopher James Griffin and its critics, and, in the light of these views, consider appeals to rights in the moral assessment of significant contemporary issues (right to life, right to choose, right to die, rights of refugees, etc).

Preliminary reading is not necessary, but is of course an advantage. So to be best prepared, read over the three declarations mentioned above (all readily available on the net), keeping an eye out for their differences. The really keen could then have a look at Hobbes, Leviathan, chapters 13 and 14; Spinoza, Tractatus Theologico-Politicus, chapter 16; and Locke, Two Treatise of Government, Treatise II, chapters 2–4.

NB You are very welcome in this course regardless of how good your English is. I’m sure that we’ll get the message across to each other. If you have some rudiments of high-school English, you’ll be fine. Linguistic deficiencies will be irrelevant. (You will not be held responsible for the lecturer’s inadequate German!)

Zeit: Mittwoch, 12-14 Uhr
Ort: Geb. C5 2, Raum 2.02