John Andrew Leslie ist einer der großen Unbekannten der zeitgenössischen Metaphysik und einer der wenigen analytischen Philosophen, die keine Angst davor haben, sich an einem „big picture“ zu versuchen. Zudem gehört er neben dem bereits verstorbenen Timothy Sprigge zu den wenigen Idealisten in der angelsächsischen Philosophie der letzten Jahrhundertwende. Mehrere Gründe also, sich mit seinen (zugegeben gewagten, aber gerade deshalb spannenden) Gedanken und Argumenten auseinanderzusetzen.

Einen guten Einstieg in sein Werk bietet „Immortality Defended“ (2007), welches wir (gegebenenfalls neben Auszügen aus seinem „Infinite Minds“ (2002)) gründlich lesen und besprechen werden, insofern fast jeder Abschnitt diskussionswürdig ist. Hauptthema des Buches ist, ob und wie Unsterblichkeit (persönlich oder auch nicht) innerhalb eines (neoplatonisch gefärbten) Pantheismus unendlich vieler Geister begründet werden kann. Eine solche verwegene Ontologie bedarf natürlich guter Argumente, und wir werden sehen, wie plausibel Leslies Begründung ist

Das Lektüreseminar setzt eine aktive Teilnahme voraus; sein Ziel ist erreicht, wenn alle Teilnehmer Freude an der Verfolgung und Prüfung von teilweise verrückt scheinenden Gedankengängen haben.

Das Seminar findet jeden zweiten Samstag im Semester von 9 bis 12 Uhr statt, beginnend mit dem ersten Samstag nach Semesterbeginn.

Literatur:
  • John Leslie, Immortality Defended, Wiley-Blackwell; 1 edition 2007.
  • Ders., Infinite Minds, Clarendon Press; 1 edition 2002.


Zeit: Samstag, 9 - 12 Uhr (14-täglich)
Ort: Gebäude B3 1, Seminarraum 2.05

Im Zuge der sogenannten neuen Theorien der Referenz (Kaplan 1989[1977], Kripke 1980) bildete sich ein für die Sprachphilosophie der vergangenen Jahrzehnte zentrales Paradigma heraus, demzufolge ein fundamentaler Unterschied in der Funktionsweise von sogenannten referentiellen Ausdrücken wie Eigennamen und Indexikalia auf der einen und definiten und indefiniten Kennezichnungen auf der anderen Seite besteht. Während erstere als Vehikel für direkte Bezugnahmen auf Gegenstände fungieren, sind letztere ihrer logischen Form nach Quantorenausdrücke. Diese Unterschiede auf semantischer Ebene gründen sich, so die gängige Annahme, auf fundamentalen Unterschieden in der Art, wie wir im Geiste auf Gegenstände Bezug nehmen. Singuläres Denken hebt in dem Sinne direkt auf Gegenstände ab, als diese nicht wesentlich als Erfüller einer deskriptiven Bedingung intendiert sind, während genau das bei allgemein-begrifflichem Denken der Fall ist

Wir wollen uns zunächst der semantischen Unterscheidung zuwenden und uns mit der Theorie der Direkten Referenz vertraut machen: Wie ergibt sich die Objektabhängigkeit der Wahrheitsbedingungen von Sätzen, die referentielle Ausdrücke an Subjektstelle haben, und von welcher Art sind die Gehalte, die mithilfe solcher Sätze ausgedrückt werden? Anschließend wollen wir uns der mentalen Ebene zuwenden und uns mit der Frage beschäftigen, wie sich das Phänomen des singulären Denkens abgrenzen läßt. Unter welchen Bedingungen kann von singulärem Denken die Rede sein und welche Rolle spielt dabei gegebenenfalls der Begriff der Bekanntschaft (im Anschluß an Russell)?

Nicht zuletzt sollen auch kritische Stimmen Gehör finden, die die gängige Auffassung ablehnen, derzufolge sprachliche und mentale Phänomene auf die angenommene Weise relationiert sind, dass letztere sich in erstern gründen bzw. erstere als Evidenz für letztere angesehen werden können.

Es ist sehr wahrscheinlich, daß Auszüge aus den folgenden Monographien, Aufsätzen bzw. Sammelbänden im Lektüreplan auftauchen werden:

  • Imogen Dickie, Fixing Reference, Oxford University Press 2016.
  • ––– „The Essential Connection between Epistemologiy and the Theory of Reference”, Philosophical Issues 26, 2016.
  • Gareth Evans, The Varieties of Reference, Oxford University Press 1982.
  • John Hawthorne & David Manley, The Reference Book, Oxford University Press 2012.
  • Robin Jeshion (Hrsg.), New Essays on Singular Thought, Oxford University Press 2010.
  • David Kaplan, „Demonstratives” in Themes Form Kaplan, hrsg. von Almog, Perry & Wettsein, Oxford University Press 1989.
  • François Recanati, „Rigidity and Direct Reference”, Philosophical Studies 53, 1988.
  • ––– Direct Reference. From Language to Thought, Blackwell Publishers 1993.
  • Bertrand Russell, „Knowledge by Acquaintance and Knowledge by Description” in Mysticism and Logic, Barnes & Noble Books 1951.
  • Peter Strawson, Individuals. An Essay in Descriptive Metaphysics, Routledge 1959.


Zeit: Mittwoch, 14 - 16 Uhr 
Ort: Gebäude A2 3, Raum 0.09 (EG)

In ihre Monographie Epistemic Injustice: Power and the Ethics of Knowing (2007) hat Miranda Fricker ein Phänomen benannt und analysiert, das seitdem intensiv in der Literatur diskutiert wird. Epistemische Ungerechtigkeit liegt etwa dann vor, wenn wir als Erkenntnissubjekte, aufgrund unserer Identität, systematisch Nachteile erfahren müssen. So kann es vorkommen, dass Mitgliedern traditionell benachteiligter Gruppen, aufgrund ihrer Gruppenzugehörigkeit, weniger geglaubt wird, als sie es verdienen. Oder es kann geschehen, dass Mitgliedern dieser Gruppen die begrifflichen Ressourcen fehlen, um gegenüber sich selbst und anderen die eigenen Erfahrungen verständlich zu machen. Ziel dieses Seminares wird es sein, verschiedene Formen epistemischer Ungerechtigkeit, ihre zugrundeliegenden Mechanismen sowie die hieraus entstehenden Schäden zu betrachten. (Das Seminar findet in englischer Sprache statt)

Literatur:
  • Fricker, M. (2007). Epistemic Injustice: Power and the Ethics of Knowing. Oxford: Oxford University Press.


Zeit: Dienstag, 14 - 16 Uhr 
Ort: Gebäude A2 3, Raum 0.09 (EG)

On many contemporary views on normative ethics, reasons determine what we morally ought to do. However, there are different views on what normative reasons are (mental states of the agent or non-mental facts, for instance) and on whether (and how) normative reasons are dependent on the process of practical reasoning.

In political philosophy, these controversies lead to very different views on the relation between what we politically ought to do and what we morally ought to do, and on the question how moral reasons may, should, or must not figure in political debate and political forms of reasoning. The aim of the seminar is to provide a detailed understanding of the different accounts of reasons and of reasoning and their implications for moral and political philosophy. We will read and discuss a list of contemporary papers (starting with Donald Davidson) on reasons, reasoning, and political philosophy, which will be made available here.

The language of the master seminar, of the literature that we will read, as well as of presentations (Referate) is English. Written essays (Hausarbeiten) may be handed in either in English or in German.


Zeit: Montag, 12 - 14 Uhr 
Ort: Gebäude A2 3, Raum 0.09 (EG)