Einen großen Teil unserer Überzeugungen verdanken wir den Aussagen unserer Mitmenschen. Doch unter welchen Bedingungen sind wir gerechtfertigt, ihnen zu glauben? Und was muss gegeben sein, damit wir auf diesem Wege Wissen erlangen können? Diese und weitere Fragen stehen im Mittelpunkt von Jennifer Lackeys Monographie Learning from Words (2008). Dieses Werk stellt sicher einen der wichtigsten Beiträge zur Testimonien-Debatte der letzten Jahrzehnte dar und wird entsprechend Gegenstand dieses Seminares sein. Hierbei sollen die von Lackey entwickelten Positionen nachvollzogen und kritisch diskutiert werden.

Das Seminar findet in englischer Sprache statt.

Der zugrunde liegende Text wird auf Moodle bereitgestellt.

Zeit: Dienstag 12-14 Uhr
Ort: Geb. A2 3, Raum 0.09

Wir gehen wie selbstverständlich davon aus, daß wir mittels Wahrnehmung einen epistemischen Zugang zu Gegenständen der uns umgebenden Welt haben und beschreiben unsere Wahrnehmungserfahrungen in Begriffen von Gegenständen oder Ereignissen, die von uns unabhängig existieren: Wir hören den Wind pfeifen, fühlen die warme Tasse in der Hand oder sehen, daß es anfängt, zu regnen.

Es erscheint naheliegend, anzunehmen, daß Gegenstände der „Außenwelt” unsere Wahrnehmungserfahrung (teilweise) bestimmen. Die Phänomene der Halluzination und optischen Täuschung stellen uns jedoch vor die Herausforderung, philosophisch zu begründen, wie Wahrnehmung trotz dieser „Fehler” als das angesehen werden kann, als was wir sie intuitiv verstehen, nämlich als Offenheit für bzw. Bewußtsein von der Welt.

Sowohl philosophische Theorien der Wahrnehmung als auch Theorien der epistemischen Rechtfertigung von Wahrnehmungsmeinungen müssen sich mit diesem „Problem der Wahrnehmung” auseinandersetzen, dessen skeptisches Potential, das bereits Descartes prominent ausgebeutet hat, ungebrochen ist. Sie trachten danach, der common-sense-Auffassung, daß wir mittels Wahrnehmung Wissen über Gegenstände oder Ereignisse in der Welt erlangen, theoretisch gerecht zu werden – eine Aufgabe die sich bei näherer Betrachtung als erstaunlich komplex erweist.

Sie involviert u.a. die Beschäftigung mit den folgenden eng relationierten Fragenkomplexen:

(1) Welche Struktur muß Wahrnehmung haben bzw. wie muß der Gehalt von Wahrnehmungen beschaffen sein, um zu erklären, daß Wahrnehmung uns einen epistemischen Zugang zu Gegenständen liefert?

Nehmen wir Gegenstände direkt oder (in einer näher zu erläuternden Weise) indirekt wahr? Ist Wahrnehmungsgehalt begrifflich oder gar propositional strukturiert oder nicht-begrifflich, so daß sich Gegenstände sozusagen erst ergeben, wenn andere kognitive Fähigkeiten auf ihn angewendet werden?

(2) Wie kann Wahrnehmung trotz der Phänomene der Halluzination, der optischen Täuschung oder des Träumens eine zentrale Quelle von Erkenntnis sein?

Bedroht die Möglichkeit solcher „Fehler” die allgemeine epistemische Rechtfertigung von Wahrnehmungsmeinungen und wenn nicht, warum nicht? Wie läßt sich der Gehalt nicht-veridischer Wahrnehmungserfahrungen angemessen konzipieren?

Wir schauen uns die relevanten skeptischen Herausforderungen genauer an und lernen verschiedene Arten kennen, ihnen philosophisch zu begegnen.

Literatur

Einen empfehlenswerten Einstieg und Überblick bietet:

  • Dancy, Jonathan, 1985, An Introduction to Contemporary Epistemology, Blackwell (darin: Kap. 1 „Scepticism”, Kap. 10 „Theories of Perception” und Kap. 11 „Perception: The Choice of a Theory”).

Behandeln werden wir u.a. (Auszüge aus):

  • Burge, Tyler, 2003. „Perceptual Entitlement" in: Philosophy and Phenomenological Research 67(3).
  • McDowell, John, 1994, Mind and World, Cambridge, MA: Harvard University Press.
  • Strawson, Peter, 1979, Perception and its Objects, in G. Macdonald (Hrsg.), Perception and Identity: Essays Presented to A.J. Ayer with His Replies, London: Macmillan.
  • Stroud, Barry, 2018, Seeing, Knowing, Understanding: Philosophical Essays, Oxford University Press.

Die vollständige Literaturliste wird zu Beginn des Seminars bekannt gegeben.

Zeit: Dienstag 14-16 Uhr 
Ort: Geb. B2 2, Raum 2.23

This course will deal with three different topics in practical philosophy, among them “normative pluralism: are there ‘oughts’ of different kinds which contradict each other? If so, which ‘ought’ ought we to follow?” The two further topics are still to be settled. We will have double sessions from 12.15 to 15.30 on the dates indicated here.

The mixture of topics has the advantage to make you acquaint with a wider range of questions than a usual seminar does. All the topics we will be looking at are important and worth knowing about. Which further topic we will pick might depend to some extent on the participants interests; if you would like to articulate such an interest (for example, something related to your MA thesis or your "Examensarbeit") and suggest that it be taken into account, please send me an e-mail as soon as possible before the start of the semester.

It is vital for the sessions that everybody be prepared and able to contribute. Please take part in this course only if you are willing to plough through the texts for each session and talk about them in the sessions: to summarize them, to ask and answer questions about them, etc.

Credit points: there will be a written exam in the final session, consisting of one question from each of the areas we covered. While the course itself is in English, each participant can choose whether to write her or his exam in German or English.

We will meet on the following Thursdays: 11.4., 9.5., 16.5., 23.5., 6.6., 13.6., 27.6., 11.7. (final session, written exam).

Zeit: Donnerstag 14-16 Uhr
Ort: Geb. B2 2, Raum 2.23