Eigentlich ist es ja schwer genug herauszufinden, wie die Welt tatsächlich ist – dennoch interessiert man sich in der Philosophie oft für mehr: Man will etwa wissen, ob es sich so verhalten musste oder auch hätte anders sein können. In anderen Worten gesagt: Es geht nicht nur um den aktualen Zustand der Welt, sondern auch um die Frage, was davon notwendig und was bloß kontingenterweise der Fall ist, also um den modalen Status gewisser Tatsachen. Nun ist es zunächst nicht nur unklar, wie wir denn herausfinden können, ob etwas nicht nur gilt, sondern auch notwendig gilt – ebenso klärungsbedürftig ist die Frage, was denn überhaupt für die Wahrheit modaler Aussagen verantwortlich ist: Wird hier etwa nach dem Wesen (der Essenz) der Dinge im Kontrast zu bloß `zufälligen' (akzidentiellen) Eigenschaften gefragt? Oder drücken wir durch modale Qualifikationen von Aussagen gar keinen zusätzlichen Gehalt, sondern vielmehr unsere Einstellung aus (Notwenigkeit entspräche dann beispielsweise der Betrachtung als (konventioneller) Regel oder einem Unvermögen, sich das Gegenteil vorzustellen, o.ä.)?

Zur Behandlung der obigen Fragen ist es durchaus nützlich, sich auch anzusehen, wie modale Aussagen funktionieren: So scheint in ihnen die Austauschbarkeit gleichbedeutender Terme salva veritate nicht mehr gewahrt zu sein (Stichwort: opake, intensionale Kontexte) – es zeigt sich aber auch, dass modal qualifizierte Aussagen recht verschieden verwendet werden: manchmal in obigem Sinn, manchmal, um auf den eigenen Wissensstand hinzuweisen („Sie hätte schon längst hier sein müssen!“), manchmal um Ge- und Verbote auszusprechen („Das müssen Sie aber anders machen!“). Sind dies ganz verschiedene Arten von Modalität, oder bietet sich eine einheitliche Auffassung an?

Nicht zuletzt ist für das Wiederaufflammen der Diskussion über Modalität in den letzten vierzig Jahren die Entwicklung der Weltensemantik in der Modallogik verantwortlich. (Zuvor war das Thema seit Beginn des letzten Jahrunderts weitgehend gemieden worden, obwohl die Wurzeln der Diskussion bis in die Antike reichen.) Mit ihr hat man ein technisch vielseitig einsetzbares Werkzeug in Händen, das Hoffnungen weckte, die schwierigen Fragen betreffend der Modalität präzise formulierbar zu machen, um dann ebenso präzise Antworten geben zu können. Zwar hat sich diese Hoffnung nicht voll erfüllt, und auch eine gute weltensemantische Modellierung ist keineswegs per se schon die Antwort auf alle philosophischen Fragen zum Thema – dennoch ist etwas Kenntnis der Modallogik und ihrer Semantik unabdingbar zum Verständnis und zur Bewertung der aktuellen Diskussionen zum Thema

Im Seminar werden wir uns daher in verschiedener Weise mit verschiedenen Aspekten der Modalität befassen: Diese schließen Modallogik genauso ein wie die Frage nach der Metaphysik und Epistemologie des Modalen oder der sprachphilosophischen Analyse modaler Aussagen.

Die im Seminar zu diskutierende Literatur wird in der ersten Sitzung abgesprochen, und der Seminarschwerpunkt kann daher an die Wünsche der Teilnehmer*innen angepasst werden.

Zeit: Donnerstag 14-16 Uhr
Ort: Geb. C5 2, Raum 2.02