Mit seinem 1984 erschienenen Werk Reasons and Persons hat sich Derek Parfit einen Platz in der Geschichte moderner analytischer Philosophie gesichert. Kaum ein anderes Werk der letzten 50 Jahre ist so reichhaltig an Ideen und war so einflussreich. Wikipedia hat einige Rezensionen für uns zusammengestellt:

Bernard Williams described Reasons and Persons as „brilliantly clever and imaginative“, and commended it as part of a wave of work in analytic philosophy that deals with concrete moral problems rather than abstract meta-ethics.

Philip Kitcher wrote that Reasons and Persons „was widely viewed as an outstanding contribution to a cluster of questions in metaphysics and ethics“.

Peter Singer included Reasons and Persons on a top ten list of favourite books in The Guardian, stating that „Parfit's penetrating thought and spare prose make this one of the most exciting, if challenging, works by a contemporary philosopher“.

Parfits Buch hat vier Teile. Der erste beschäftigt sich mit selbst-zunichtemachenden („self-defeating“) Moral-Theorien, wie beispielsweise dem Moralischen Egoismus.

Im zweiten Teil fokussiert er auf die Beziehung zwischen Rationalität und Zeit. Sollte ich meine (mir u.U jetzt bereits bekannten) zukünftigen Wünsche – beispielsweise meinen Wunsch nach einer angemessenen Altersvorsorge –, die mir jetzt aber gerade egal sind, dennoch berücksichtigen?

Diese Fragen führen ihn im dritten Teil direkt zu Fragen der diachronen personalen Identität, der Frage also, ob (und ggf. aufgrund welcher Tatsachen) wir zu unterschiedlichen Zeiten ein und der-/dieselbe sind. Denn wenn ich im Alter jemand anderes bin, was sollten mich dann jetzt die Wünsche jenes zukünftigen Ichs interessieren müssen?

Im vierten Teil widmet sich Parfit dann Fragen der sogenannten Populationsethik. Kann es falsch sein, sich gegen ein Kind und für ein anderes zu entscheiden? Schließlich stellt sich die Frage, wer dabei eigentlich geschädigt würde. (Das ist das sogenannte „non-identity problem“.) Verstößt unsere Umweltverschmutzung und unser Ruinieren des Klimas gegen Rechte zukünftiger, noch ungeborener Generationen? Und schließlich endet er mit der Herleitung der berühmten abstoßenden Schlussfolgerung („repugnant conclusion“). Danach ist eine Welt, in der sehr, sehr viele Menschen nah am Existenzminimum leben, besser als eine Welt, in der deutlich weniger, dafür aber sehr glückliche Menschen leben.

Angesichts der Menge der Themen ist es wenig überraschend, dass Reasons and Persons kein schmales Buch ist. Wir konzentrieren uns daher auf die Teile des Buches, die unmittelbar die praktische Philosophie betreffen (die Teile 1, 2 und 4). Hier werden wir versuchen, das Lesepensum durch gelegentliches Aufteilen der Kapitel und Expertensitzungen in angemessenem Rahmen zu halten.


Zeit: Donnerstag, 10-12 Uhr
Ort: Geb. A2 3, Raum 0.09