Mit dem Satz „Cut the pie any way you like, `meanings´ just ain't in the head!“ [Putnam (1975), p.144] fasst Hilary Putnam die Konklusion einiger Überlegungen zusammen, die die Abhängigkeit des semantischen Gehalts von der Umwelt nahelegen: Was meine Ausdrücke bedeuten (und welche mentalen Zustände ich gerade habe), hängt demnach nicht nur von Faktoren ab, die sich in mir (oder meinem Gehirn) lokalisieren lassen.

Mit diesen Überlegungen steht er keineswegs allein: Eine ganze Reihe zu Recht als Klassiker der analytischen Philosophie betrachteten Texte weisen in eine ähnliche Richtung, mit teilweise ähnlichen Argumenten – die schließlich vor allem von Burge vom Feld der Sprachphilosophie auf die Philosophie des Geistes übertragen werden. (Darauf spielt der Seminartitel an, auch wenn Burge selbst die Formulierung ablehnen würde.)

Dabei ist die umgekehrte These erst einmal ganz natürlich: Mein Verständnis eines Ausdrucks – und erst Recht mein Geist – gehört doch wohl zu mir und ist mir auf besondere Weise zugänglich; wodurch sollte das erklärt werden, wenn nicht durch etwas in mir, beispielsweise meine Gehirnzustände?

Externalisten verweisen dagegen auf zahlreiche Einflüsse von außen, wie etwa die Einbettung in den Äußerungskontext und eine Sprachgemeinschaft (inklusive Experten) oder sogar unsere evolutionäre Vorgeschichte, also allgemeiner gesprochen verschiedene (kausale) Verbindungen, die wir zu den Dingen haben, auf die wir uns sprachlich oder mit unserem Denken beziehen. Diese externen Faktoren machen es möglich, dass wir manchmal trotz größerer Irrtümer, abwegiger Ansichten oder gar fast völliger Unkenntnis dennoch erfolgreich Bezug nehmen können. Die Argumente nehmen oft die Form von Gedankenexperimenten an (mit einer sogenannten Zwilligserde, auf der ein einzelner Faktor im Unterschied zur tatsächlichen Erde variiert wird), setzten aber manchmal auch schlicht auf unsere Beurteilung alltäglicher Situationen, in denen ein Sprecher/Denker unvollständig informiert ist oder sich schlicht irrt.

Im Seminar wollen wir nach kurzer Beschäftigung mit der internalistischen Gegenthese vor allem die Argumente und Positionen derjenigen Autoren kennenlernen – und natürlich kritisch diskutieren –, die Externalismus bzw. Anti-Individualismus in der Philosophie der Sprache und des Geistes stark zu machen versuchen. Auch wenn der Externalismus inzwischen keineswegs alternativlos ist, so haben die behandelten Texte die Debatte und auch die Art zu philosophieren (in der analytischen Tradition) entscheidend geprägt – und Ihre Kenntnis ist daher auch über das konkrete Thema hinaus von Vorteil.

Literatur:

  • Russell, Bertrand (1905): „On Denoting“. Mind 14 (56): 479-493.
  • Donnellan, Keith S. (1966): „Reference and definite descriptions“. Philosophical Review 75 (3): 281-304. 
  • Kripke,Saul (1972/1980): Naming and Necessity, Oxford: Blackwell.
  • Putnam, Hilary (1975): „The meaning of 'meaning'“. Minnesota Studies in the Philosophy of Science 7: 131-193. [Wiederabgedruckt in: Putnam (1979): Mind, Language and Reality – Philosophical Papers, Volume 2, Cambridge University Press: 215-271.]
  • Perry, John (1979): „The problem of the essential indexical“. Noûs 13 (December): 3-21. Kaplan, David (1989): „Demonstratives“. In: Joseph Almog, John Perry & Howard Wettstein (eds.), Themes From Kaplan. Oxford University Press: 481-563.
  • Burge, Tyler (1979): „Individualism and the mental“. Midwest Studies in Philosophy 4 (1): 73-122. Burge, Tyler (1982): „Other bodies“. In Andrew Woodfield (ed.), Thought and Object. Oxford University Press.
  • Burge, Tyler (1986): „Intellectual norms and foundations of mind“. Journal of Philosophy 83 (December): 697-720.
[Burges Texte sind wiederabgedruckt in: Burge, Tyler (2007): Foundations of Mind. Oxford University Press: 100-150; 82-99; 254-274.]

  • Williamson, Timothy (2000): Knowledge and its Limits. Oxford University Press.
Zeit: Donnerstag, 12-14 Uhr
Ort: Geb. C5 2, Raum 2.02