In der angelsächsischen Philosophie sind seit einigen Jahren implicit biases (also unbewusste Vorurteile) ein großes Thema. Es gibt viele psychologische Studien, die belegen, dass unbewusste Vorurteile z.B. gegenüber Frauen, Schwarzen oder Migranten unser Verhalten und unsere Überzeugungen beeinflussen. Das gilt selbst für Personen, die explizit Vorurteile gegen solche sozialen Gruppen ablehnen. Ein Beispiel dafür könnte ein Mitarbeiter einer Personalabteilung sein, der Lebensläufe von Bewerberinnen negativer bewertet als Lebensläufe von männlichen Bewerbern, selbst wenn diese gleich gut sind. (Nehmen wir zusätzlich an, dass er bewusst jegliche Vorurteile gegenüber Frauen zurückweist.)

Mit Rückgriff auf die beiden kürzlich erschienen Bände zu unbewussten Vorurteilen von Michael Brownstein und Jennifer Saul werden wir spannende philosophische Fragen wie die folgenden behandeln: Was sind überhaupt unbewusste Vorurteile? Sind sie z.B. eine Art Überzeugungen, oder müssen wir sie ganz anders verstehen? Welche skeptischen Probleme werfen unbewusste Vorurteile auf? Was folgt z.B. daraus, dass ich mir nicht sicher sein kann, ob meine positive oder negative Meinung über eine Person nicht letztlich auf ein mir nicht zugängliches unbewusstes Vorurteil zurückgeht? Sind wir, wenn wir unbewusste Vorurteile haben, für diese moralisch verantwortlich? Und was können wir tun, um sie abzulegen?

Prüfungsleistung: Referat mit Ausarbeitung oder Hausarbeit.

Das Seminar ist zugleich Teil des Interdisziplinären Themenmoduls "Vorurteile aus philosophischer und historischer Perspektive", das ich gemeinsam mit Amerigo Caruso (Geschichte) anbiete. Details dazu auf dieser Seite.

Zeit: Montag, 10–12 Uhr
Ort:  Geb. C5 2, Seminarraum U1