Zwei mögliche Interpretationen von Gamma 2: Analogie versus Paronymie

  1. Obst ist gesund für Peter

2. Peter ist gesund

3. Es gibt etwas, worauf sich sowohl "gesund" in (1) als auch "gesund" in (2) bezieht. Deshalb sind "gesund" in (1) und "gesund" in (2) auch nicht bloß homonym.

4. Letztlich ist es (Peters) Gesundheit, worauf sich "gesund" in (1) und (2) bezieht.

5. In bezug auf Obst etc. verwenden wir "gesund" in übertragener Bedeutung, wobei aber die Übertragung ihren Ausgangspunkt darin hat, dass es letztlich Menschen sind, die gesund sind.

 

1* Peters Eigenschaften sind etwas Seiendes

2* Peter ist etwas Seiendes

3* Es gibt etwas, worauf sich sowohl "Seiendes" in (1) als auch "Seiendes" in (2) bezieht. Deshalb sind "Seiendes" in (1) und "Seiendes" in (2) auch nicht bloß homonym.

4* Letztlich ist es das Sein allgemein, worauf sich sowohl in (1) als auch in (2) "Seiendes" bezieht, aber es wird in (1) und in (2) in jeweils verschiedenen Erscheinungsformen angesprochen (Analogie-These, vgl. Seidl-Kommentar).

4** Letztlich ist es Peters ousia (ungefähr: das, was Peter zu Peter macht), worauf sich "Seiendes" sowohl in (1) als auch in (2) bezieht.

5** In bezug auf Eigenschaften etc. verwenden wir "Seiendes" in übertragener Bedeutung, wobei aber die Übertragung ihren Ausgangspunkt darin hat, dass es letztlich ousiai sind, die seiend sind. (Paronymie-These, paronym = im übertragenen Sinne)

  

Vorteil der Analogie-These: Wird seit dem Mittelalter in der Literatur vertreten.

Nachteile der Analogie-These:

1. Die Hierarchisierung des Seienden fällt vom Himmel.

2. Es ist vom Seienden die Rede, nicht vom Sein.

3. Die Analogie-These hat kein (5*).

  

Vorteile der Paronymie-Interpretation

  1. Hierarchisierung des Seienden Kern des Argumentes
  2. Es ist vom Sein keine Rede
  3. Es gibt ein (5**)
  4. Es folgt zwanglos, warum die Metaphysik als Wissenschaft vom Seienden alles Seienden nicht nur eine Wissenschaft ist, sondern auch, dass sie sich letztlich mit der ousia beschäftigt.

  

Delta 7 Schnelldurchlauf / Interpretationsvorschlag

 "on" (hier ungefähr im Sinne von "ist") wird in vielfacher Weise verwendet:

  1. Man kann sagen "Der Gewinner des Golf Cabrio ist Herr Pauluweit aus Wuppertal",
  2. obwohl das nun wirklich nicht daraus folgt, dass er Herr Pauluweit aus Wuppertal ist. Man kann also "ist" in Aussagen mit akzidenteller Prädikation verwenden.

  3. Man kann sagen: "Herr P. ist ein Mensch", "Münster ist ein Ort", "der 13.12. ist ein Zeitabschnitt", "Zahnschmerzen sind ein Zustand" etc. Man kann also "ist" in Aussagen mit per se-Prädikation verwenden.
  4. Man kann sagen: "Er ist möglicherweise der Mörder". Man kann also "ist" in Modalaussagen verwenden (Modalaussagen sind Aussagen, die die Begriffe "möglich" oder "notwendig" enthalten).
  5. Man kann sagen: "Das ist nunmal wahr!" oder auch "Das ist nunmal einfach so". Man kann also "ist" verwenden, wenn man über Wahrheit und Falschheit spricht.

Zurück