C) Anselms Argument für die Existenz Gottes - Plädoyer für Proslogion II als selbständiges Argument

Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst...

(unbekannter deutscher Schlager der 70er Jahre)

I.

Anselm: Stell dir eine ziemlich mickrige Blume vor. Eine, die nicht genug Wasser und Nährstoffe bekommen hat. Geht's?

Der Atheist: Ja.

 

Anselm: Stell dir jetzt vor, du hättest dir dieselbe Blume vorgestellt, aber so, wie sie hätte werden können,

wenn sie genug Wasser und Nährstoffe gekriegt hätte. Geht's?

Der Atheist: Ja.

 

Anselm: Hättest du dir die Blume, wenn du sie dir so vorgestellt hättest, wie sie hätte werden können,

wenn sie genug Wasser und Nährstoffe gekriegt hätte, als vollkommener vorgestellt, als du sie dir vorgestellt hast?

Der Atheist: Ja.

 

Anselm: Du hättest dir die Blume also vollkommener vorstellen können, als du sie dir vorgestellt hast?

Der Atheist: Ja.

 

II.

Anselm: Stell dir eine Blume vor, die du dir nur vorstellst. Geht's?

Der Atheist: Ja.

 

Anselm: Stell dir vor, du hättest dir dieselbe Blume vorgestellt, aber so, wie sie wäre, wenn sie wirklich existierte. Geht's?

Der Atheist: Ja

 

Anselm: Hättest du dir die Blume, wie du sie dir vorgestellt hättest,

wenn du sie dir als wirklich existierend vorgestellt hättest, als vollkommener vorgestellt, als du sie dir vorgestellt hast?

Der Atheist: Ja.

 

III.

Anselm: Ist es nicht überhaupt so bei Dingen, die du dir nur vorstellst? Sollte man nicht sagen:

 "Für alle x, die zur Menge der x gehören, von denen du dir vorstellst, daß du dir x nur vorstellst, gilt:

Wenn du dir vorstellst, du hättest dir x vorgestellt,

aber so wie x wäre, wenn x wirklich existierte,

dann hättest du dir x,

wenn du dir x als wirklich existierend vorgestellt hättest,

als vollkommener vorgestellt, als du dir x vorgestellt hast."?

Der Atheist: Ja.

 

IV.

Anselm: Stell dir nun vor, du stellst dir etwas nur vor, worüber hinaus sich nichts Vollkommeneres mehr vorstellen läßt.

Der Atheist: (erstaunt)

Aber das geht nicht. Denn wenn ich mir etwas nur vorstelle, (ganz gleich, wie es sonst noch beschaffen ist),

dann muß ich es in das oben Gesagte an der Stelle von x einsetzen können, ohne das etwas Falsches herauskommt.

Doch wenn ich das tue, so erhalte ich...

 

Anselm: Dann erhältst du:

"Wenn du dir vorstellst, du hättest dir etwas, worüber hinaus sich nichts Vollkommeneres mehr vorstellen läßt,

vorgestellt, aber so wie es wäre, wenn es wirklich existierte,

dann hättest du dir etwas, worüber hinaus sich nichts Vollkommeneres mehr vorstellen läßt,

wenn du es dir als wirklich existierend vorgestellt hättest,

als vollkommener vorgestellt,

als du es dir vorgestellt hast."

 

Du hättest dir also etwas, worüber hinaus sich nichts Vollkommeneres mehr vorstellen läßt,

als vollkommener vorstellen können, als du es dir vorgestellt hast.

Aber etwas, worüber hinaus sich nichts Vollkommeneres mehr vorstellen läßt

ist doch gerade etwas, das du dir nicht mehr vollkommener hättest vorstellen können, als du es dir vorgestellt hast.

Es ergibt also einen Widerspruch, anzunehmen, daß du dir etwas, worüber hinaus sich nichts Vollkommeneres mehr vorstellen läßt, nur vorstellst, es aber nicht wirklich existiert. Und Widersprüchliches ist falsch.

Also gilt: Es ist nicht der Fall, daß du dir Gott nur vorstellst.

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