HS Mischer / Strobach, Nietzsche ZGdM, WS 98 / 99, Mi 14-16, R 236

 Literaturvorschläge, Nietzsche "Zur Genealogie der Moral" (N.St.)

 

Der Primärtext ist gelesen, ok. Aber ein Autor wie Nietzsche verlangt eine ganze Menge Hintergrundinformationen. Die sind keine Pflichtlektüre, können aber die Diskussion im Seminar beleben und sind eine Basis für das Schreiben von Hausarbeiten.

Nietzsche ist leider ein Autor, der spinnerte Sekundärliteratur anregt. Im Apparat Strobach befinden sich (schon oder bald) folgende, seriöse Bücher zu Nietzsche und zu ZGdM:

 

Volker Gerhardt, Friedrich Nietzsche (Beck'sche Reihe Große Denker), München 1992.

Inzwischen ein Standardwerk; für jeden, der sich länger mit Nietzsche beschäftigt (z.B. fürs Examen) ein Muß zum Kaufen (24,-). Was den Inhalt der Werke angeht, baut Gerhardt ganz aufs Selberlesen. Zusammenfassungen, soweit bei Nietzsche möglich, findet man bei ihm nicht, dafür viel gut gemeinte Anleitung zur Lektüre. Trotzdem sehr wichtig für die Geschichte der Nietzsche-Rezeption und biografisch gediegen. Besonders empfohlen: Kap. "Maßlosigkeiten" (25-31), Wirkungsgeschichte (211-224), Antisemitismus-Vorwurf (51f). Umfassendes Literaturverzeichnis zum Weitersuchen!

 

Mazzino Montinari, Nietzsche lesen, Berlin / New York (De Gruyter) 1982.

Beste Informationen über die Entstehung der KSA und die Fälschung des Spätwerks Nietzsches durch seine Schwester.

 

Ivo Frenzel, Friedrich Nietzsche (rororo Bildmonographien), Reinbeck (Rohwolt) 1996.

Als biografische Einführung gar nicht übel. Viele (schwarz-weiße) Bilder.

 

Werner Stegmaier, Nietzsches "Genealogie der Moral", Darmstadt (Wissenschaftliche Buchgesellschaft)1994.

Eine der wenigen Monografien zu ZGdM. Das Ganze wird wissenschaftlich aufgedröselt, was einen etwas befremdlichen Eindruck macht. Für Detailarbeit aber heranzuziehen.

 

Steven E. Aschheim, The Nietzsche Legacy in Germany 1890-1990, Berkeley / L.A. (University of California Press) 1992.

Das Buch zur Rezeptionsgeschichte. Methodisch etwas problematisch, da Aschheim offenbar mehr Historiker als Philosoph ist und sich inhaltlich nicht so gut mit Nietzsche auskennt. So zitiert er z.B. dauernd aus "Der Wille zur Macht"; außerdem definiert er nie richtig, was eigentlich "nietzschean" ist. Das macht es ihm schwer, Grade des Einflusses zu unterscheiden. Dafür gibt er einen schön lesbaren Überblick über eine unglaubliche Menge Material und stellt die Nietzsche-Rezeption in voller Breite dar. So lernt man etwas über vegetarische (!), sozialistische (!!) und gar feministische (!!!) Nietzscheaner. Besonders beeindruckend: Bilder von Nietzsche-Kitsch (man beachte schon die Umschlagfotos!).

 

Berhard H.F. Taureck, Nietzsche und der Faschismus, Hamburg (Junius) 1989.

Einer der wenigen Versuche, Nietzsche dezidiert analytisch anzugehen - und das gleich an der problematischsten Stelle. Das wirkt methodisch manchmal etwas naiv, z.B. wenn die Überschneidung von Nietzsches Gedanken mit dem nationalsozialistischen Gedankengut in einem Venn-Diagramm dargestellt wird. Aber das Nicht-Raffinierte der Darstellung hat Methode und macht bei genauerer Betrachtung einen intelligenten Eindruck.

 

Richard Schacht (Hg.), Nietzsche, Genealogy, Morality, Essays on Nietzsche's Genealogy of Morals, University of California Press, Berkeley, L.A., London 1994

Aufsatzsammlung mit Texten von Größen wie Philippa Foot, Arthur C.Danto, Martha Nussbaum, Sarah Kofman, Bernard Williams u.v.a. Und das alles zu unserem Text! Gut, ich hab noch nicht alle gelesen, aber der sensible Artikel von Philippa Foot, der grande dame der britischen Moralphilosophie "Nietzsche's Immoralism" war's schon wert, das Buch zu holen. Umfassende Bibliografie zur englischsprachigen Literatur über Nietzsche.

 

Walter Kaufmann, Nietzsche: Philosopher, Psychologist, Antichrist, 4th ed., Princeton (Princeton Univ. Press) 1974.

Noch ein Klassiker. Vom Autor der englischen Standard-Übersetzung, dem die Rehabilitation Nietzsches im englischen Sprachraum im wesentlichen zu verdanken ist. (wie N. vorher rezipiert wurde, läßt sich instruktiv erfahren aus dem entsprechenden Kapitel von Bertrand Russell, A History of Western Philosophy!)

 

Für ein spezielleres Thema (Hausarbeit o.ä.) lohnt es sich, einmal durch neuere Jahrgänge der Zeitschrift "Nietzsche-Studien" zu blättern.

Für eine noch speziellere Suche eignet sich wie immer der Philosopher's Index auf CD-Rom, erreichbar an den Terminals der UB, bei mir im R 220 oder bei unserem EDV-Spezialisten Dieter Janssen. Don't hesitate to ask!

 

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