Fragen zum Seminar "Philosophie als Psychotherapie"

Zu jeder Sitzung gibt es hier Fragen zu den vorzubereitenden Texten. Jede(r) sollte sie zumindest angedacht haben. Voraussetzung für die Teilnahme an der Abschlußklausur sind insgesamt fünf Mini-Essays zu Fragen zu den im Seminar gelesenen Texten. Ein Mini-Essay sollte etwa 1 bis 1 1/2 Seiten lang sein, bzw. ca 2 Bildschirme füllen.

Mini-Essays können in der Sitzung oder auch per e-mail eingereicht werden. Ich freue mich, wenn Mini-Essays getippt sind (muß aber nicht sein). Die Mini-Essays geben die Möglichkeit, das zu üben, was auch in der Abschlußklausur verlangt ist.

1. Sitzung, Platon, (ausnahmsweise Nachbereitung):
- Ist Philosophie für Platon Psychotherapie?
- Welche Grundannahme der Philosophie des Geistes macht Platon? Hat das Auswirkungen auf sein Verständnis des Sinns der Philosophie?

Zur 2. oder 3. Sitzung kann für einen Essay auch eine der folgende Fragen zu Epikur beantwortet werden:
- Sowohl Platon als auch Epikur wollen zeigen, daß der Tod nicht schlimm ist, wenn man die richtige Einstellung dazu hat. Wie unterscheiden sich ihre Ausführungen; worin ähneln sie sich vielleicht? Ist einer von ihnen überzeugender als der andere?
- Welches Verhältnis sieht Epikur zwischen der philosophischen Theologie und der Volksreligion?
- Epikur versucht in seinen Ausführungen über den Tod, einen Kritiker zu widerlegen ("Darum ist jener einfältig...bloß erwartet"). Ist dieser Kritiker vollkommen anderer Meinung als Epikur? Ist Epikurs Widerlegung überzeugend?
- Was ist nach Epikurs Ansicht das Ziel des gelungenen Lebens? Wie erreicht man es?
- Haben Platon und Epikur dieselbe Auffassung zum Abwägen von Lust und Unlust?
- Wie argumentiert Cicero gegen Epikur? Ist Epikurs Theorie dadurch gefährdet?
- Wie verteidigt Torquatus Epikur? Ist seine Verteidigung nur Auslegung oder aber eine Erweiterung von Epikurs Lehre? Ist seine Verteidigung überzeugend?
- Angenommen, Aristoteles hätte Epikur noch erlebt - wie hätte er wohl auf seine Lehre reagiert? Wäre er mit seinem Urteil darüber darüber mit Platon einig gewesen?

Fragen zu Sextus Empiricus, Grundriß der pyrrhonischen Skepsis

1. Zu Abschnitt 1: Einer philosophiehistorischen Legende zufolge soll Sokrates gesagt haben "Ich weiß, daß ich nichts weiß". Nach Platon hat er gesagt (Apologie 21d): "Was ich nicht weiß, das glaube ich auch nicht zu wissen". In welche philosophische Schule nach der Einteilung von Sextus ist Sokrates einzuordnen, wenn a) die Legende stimmt, b) Platons Überlieferung korrekt ist. Bitte begründen Sie.

2. "Ein Skeptiker ist einer, der behauptet, daß wir nichts wissen können." Stimmt das?

3. "Ein Skeptiker hat es schwer, weil er nichts hat, woran er sich halten kann. Er weiß, daß es ihm anders besser gehen würde. Aber es ist ihm wichtiger, ehrlich zu sein, als glücklich zu sein.Intellektuelle Redlichkeit - das ist sein Ziel." Stimmt das?

4. Angenommen, Sextus Empiricus lebte heute. Würde er aus der Kirche austreten?

5. "Descartes' große Entdeckung in der 2. Meditation war, daß das Vorhandensein meiner eigenen cogitationes, also Denkakte, Gefühle und Sinneswahrnehmungen unbestreitbar ist und daher auch meine Existenz unbezweifelbar ist. Dies hatten die Skeptiker aller Zeiten übersehen". Eine richtige Einschätzung?

6. Zu Abschnitt 14: Suchen Sie sich fünf der zehn Tropen aus. Wie könnten Beispiele für Gleichwertigkeits-Argumente aus diesen Tropen aussehen?

7. Zu Abschnitt 15: Der zeitgenössische Philosoph Hans Albert wird unter Anhängern des Kritischen Rationalismus als Erfinder des (von ihm) sogenannten "Münchhausen-Trilemmas" angesehen, das besagt: Entweder man gerät beim Begründen in einen unendlichen Regreß; oder man setzt etwas, ohne es weiter zu begründen, als letzte Ursache an; oder man gerät in einen Zirkel, indem man p wieder unter den Gründen für p aufführt. Ist die Zuschreibung korrekt? Läßt sich ein Ausweg aus dem Trilemma denken?

8. Zu Abschnitt 13: Schlagen Sie in einem guten Philosophielexikon (z.B. Flew, Dictionary of Philosophy) unter "Popper" nach. Gibt es Parallelen zwischen Poppers Wissenschaftstheorie und der Wissenschaftstheorie der Skeptiker? Gibt es Unterschiede?

Die Zitate stammen, soweit nicht anders angegeben, aus: E. Röhrig, Deine Welt im Lichte der Philosophie, Münchhausen 1998.

Fragen zu den Fragmenten der älteren Stoa

1. Überzeugen die Beweise, daß die Seele ein Körper ist?

2. "Die Stoiker waren knallharte Materialisten" (Röhrig op. cit. S.13). Stimmts?

3. Was könnte "naturgemäß leben" im Sinne der Stoiker heißen?

4. Wie ist es aus ihrer theoretischen Philosophie zu erklären, wie die Stoiker Gefühle definieren? Ist an diesen Definitionen etwas dran?

5. "Freiheit ist Einsicht in die Notwendigkeit" (angeblich von Hegel); was hätte ein Stoiker wohl dazu gesagt?

6. Wieso sind Reichtum und Gesundheit keine Güter? Überzeugt das Argument? Was folgt daraus für die Lebensplanung?

7. "Die Stoiker hatten eine knallharte Pflichtethik" (Röhrig a.a.O.) Stimmts?

Fragen zu Epiktet, Handbüchlein der Moral

Der Text von Epiktet ist etwas umfangreicher als üblich. Die folgenden Fragen setzen außerdem ein Durchblättern des ganzen Textes voraus und lassen sich nicht auf einer Seite beantworten. Deshalb zählen sie zwei Essays:

1) Was bedeutet Freiheit bei Epiktet? Diskutieren Sie einschlägige Stellen.

2) Epiktet meint, man solle an sich selbst arbeiten - doch was meint er, was jemand selbst ist? Ist seine Meinung plausibel?

3) Wie lassen sich Epiktets praktische Lebensregeln auf seine Grundunterscheidung zwischen dem, was an uns ist, und dem, was nicht an uns ist, beziehen? Diskutieren Sie an drei Fällen.

4) Im 1943 entstandenen Vorwort zu seinem zweibändigen Werk "Die Stoa" schreibt Max Pohlenz:
"Im Herbst 1914 schrieb mir ein junger Freund, der vorher mit mir Epiktet gelesen hatte und jetzt als Offizier in Frankreich stand: 'Wenn mich die Vorstellung von Beschwerde und Gefahr schrecken will, dann halte ich es mit Epiktet: Ich prüfe sie auf ihren Inhalt, und wenn ich zu dem Ergebnis komme, daß dieser mein Inneres nicht berührt, dann sage ich: du bist nur eine Vorstellung und gehst mich nichts an. Dann gewinnt sie keine Macht über mich.' Es war sein letzter Brief. Bald darauf gab er als echtdeutscher Mann in stoischem Pflichtgefühl sein Leben für das Vaterland dahin." (5f).
Was heißt bei Epiktet "Vorstellung" (bzw. Eindruck = phantasia)? Läßt sich nachvollziehen, wie Epiktets Begriff der Vorstellung in Extremsituationen hilft?

5) Laut Abschnitt 22 des Handbüchleins soll man - sinngemäß - jemanden, der um sein Kind trauert, nicht bedauern, weil er um sein Kind trauert, sondern weil er um sein Kind trauert. Eine zynische Einstellung?

Fragen zu Marc Aurel (bitte kurz, aber mit Angabe von Abschnitten beantworten!):

1) Wieso ist Marc Aurel der Stoa zuzurechnen?
2) Hat Marc Aurels Philosophie Eigenheiten, die sich weder bei Epiktet noch in der älteren Stoa finden?
3) (für Teilnehmer, die schon mal etwas Sartre oder, besser, Camus gelesen haben:) Ist Marc Aurel Existentialist?
4) Vertritt Marc Aurel eine Philosophie der Heiterkeit?
5) Kann Marc Aurel trösten? Falls ja, wen?

Fragen zu Augustinus

Die folgenden Fragen sind zwar relativ kurz zu beantworten, aber doch ziemlich "heavy". Deshalb zählen sie zwei Essays:

- Welche Hauptthesen der Manichäer referiert Augustinus? Weshalb hält er sie später für falsch?
- Welches Problem verbindet sich für Augustinus mit der Aussage "Gott hat die Menschen nach seinem Bild geschaffen"? Wie löst er es? Wie denkt er sich Gott infolge dieser Lösung?
- Wie sieht Augustinus' Lösung des Problems des Bösen aus? Ist sie plausibel?
- Beantwortet Augustinus mit seiner Lösung alle im Textausschnitt "Woher das Böse?" von ihm selbst gestellten Fragen?
- Was ist der Unterschied zwischen laetitia und verum gaudium?

Sonderangebot: Die Texte von Augustinus sind recht umfangreich und sollten daher in entscheidenden Abschnitten referiert werden. Ein Kurzreferat von 15 Minuten (Vorbereitung in der Weihnachtspause) kann gegen zwei Essays aufgerechnet werden. Folgende Referate für die Augustinus-Sitzung wären ideal: Kindliche (Un)schuld im 1. Buch der Confessiones; Augustinus' - Vater der liberalen Pädagogik? - Conf. 1. Buch (EWA3!!) [vergeben]; Der Birnendiebstahl und seine Bedeutung - Conf.2 [vergeben]; Augustinus' Bekehrung - Conf.8 [vergeben]; Augustinus' Trauer um seine Mutter - Conf.8.

Fragen zu Boethius:

1) Zu TA1: Wie lassen sich die einzelnen Elemente in Boethius' Beschreibung der Philosophie deuten?

2) Zu TA2: Wie lassen sich das Gedicht I,c.7 auf die Diagnose der Philosophie beziehen? Soll dieses Gedicht eine aufheiternde Wirkung haben?

3) Zu TA3: Wie läßt sich das Argument der Philosophie dafür analysieren, daß die Bösen nicht wirklich existieren? Welche Rolle spielt dabei die natürliche Sprache? Ist das Argument überzeugend?

Fragen 2) und 3) sind jeweils wieder Fragen, die zwei Essays zählen, also für Unentschlossene eine letzte Chance, noch die Abschlußklausur mitschreiben zu können.

Hier kann der Essay per e-mail abgeschickt werden.

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